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Coronavirus: Risiko hochgestuft – Immer mehr Menschen in Quarantäne – Ärztemangel – Ansteckungsgefahr wächst

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Coronavirus: Risiko hochgestuft – Immer mehr Menschen in Quarantäne – Ärztemangel – Ansteckungsgefahr wächst

Die EU-Gesundheitsagentur ECDC hat das Risiko durch das neue Coronavirus in der Europäischen Union auf moderat bis hoch heraufgestuft. Dies teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Montag in Brüssel mit. Das bedeute, dass das Virus sich weiter ausbreite. Insgesamt wurden nach Angaben der EU-Kommission bisher rund 2100 Fälle in 18 EU-Staaten nachgewiesen.

38 Menschen in der EU seien an der neuen Krankheit Covid-19 gestorben, sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Die Situation verändere sich sehr schnell. Doch es gebe keinen Grund zur Panik.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus müssen in Hessen immer mehr Menschen in Quarantäne. Allein im Wetteraukreis dürfen rund 50 Personen ihr Haus nicht mehr verlassen. Sie hätten sich entweder in einem Risiko-Gebiet aufgehalten oder Kontakt mit Infizierten gehabt, hieß es in einer Mitteilung des Landkreises vom Montag. «Jetzt kommt es darauf an, die Ausbreitung möglichst einzudämmen», begründete Landrat Jan Weckler (CDU) die Entscheidung.

Im Landkreis Limburg-Weilburg kamen drei Menschen in häusliche Quarantäne. Sie saßen gemeinsam mit einem Mann aus Frankfurt im Auto, bei dem am Wochenende eine Sars-CoV-2-Infektion nachgewiesen worden war. Die Gruppe kam von einem Fußball-Spiel der Eintracht Frankfurt in Salzburg zurück, wie ein Sprecher des Landkreises mitteilte. Nach Angaben des Sozialministeriums sind hessenweit derzeit zehn Ansteckungen mit dem neuartigen Virus bestätigt.

Coronavirus: Ansteckungsgefahr in Europa wächst

Das Ansteckungsgefahr durch das neue Coronavirus wächst auch in Europa weiter. Die EU-Gesundheitsagentur ECDC habe das Risiko auf moderat bis hoch heraufgestuft, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Montag in Brüssel. Das bedeute, dass das Virus sich weiter ausbreite. Insgesamt wurden offiziell bisher rund 2100 Infektionen und 38 Todesfälle in 18 EU-Staaten nachgewiesen.

Nach Kritik an der Vielfalt von Gegenmaßnahmen in der EU präsentierte von der Leyen ein Team von fünf Kommissaren zur Koordination von Krisenmanagement, Gesundheitsvorsorge, Grenzkontrollen, Verkehr und zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Epidemie. Schon bisher habe man sich aber sehr eng abgestimmt, betonte von der Leyen.

Unter anderem will die EU-Kommission in den nächsten Tagen über eine zentrale Ausschreibung Schutzausrüstung wie Masken oder Anzüge beschaffen, wie Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sagte. Sie will nach eigenen Worten bis Dienstag alle EU-Gesundheitsminister auf den letzten Stand der Risikoeinschätzung bringen und am Freitag bei einem Sondertreffen mit ihnen beraten. Die Situation verändere sich rasch, doch bestehe kein Grund zur Panik.

Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni plant seinerseits für Mittwoch eine Videokonferenz mit den Euro-Finanzministern und erwägt Konjunktur-Maßnahmen. «Heute ist die Zeit klarzustellen, dass die EU bereit ist, alle verfügbaren Politikoptionen zu nutzen – falls und wenn sie nötig sind -, um unser Wachstum vor den Risiken des Abschwungs zu schützen», sagte Gentiloni.

Die für Grenzsicherung zuständige Kommissarin Ylva Johansson stellte klar, dass bisher kein Land in der Schengenzone erwäge, die eigenen Grenzen wegen der Epidemie zu schließen. Transportkommissarin Adina Valean betonte, es sei von entscheidender Bedeutung, die Mobilität der Bürger aufrecht zu erhalten. Verkehrssysteme müssten bei ihrem üblichen Angebot bleiben.

Die EU hat selbst kaum Zuständigkeiten bei der Gesundheitsversorgung – das ist Sache der einzelnen Mitgliedsstaaten. Diese hatten in den vergangenen Wochen unterschiedlich auf die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 reagiert, etwa bei der Frage, ob ganze Orte abgeriegelt oder welche Menschenansammlungen verboten werden sollen.

Deutlich mehr Coronavirus-Infektionen in Deutschland

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuen Coronavirus ist bundesweit deutlich gestiegen. Bis Sonntagvormittag wurden in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 117 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen. Bis Samstagvormittag waren es erst 66 nachgewiesene Infektionen. In Baden-Württemberg und Bayern sollen Schüler nach dem Ende der Faschingsferien zu Hause bleiben, wenn sie sich in einem der Risikogebiete aufgehalten haben. Mehrere Großveranstaltungen in den nächsten Tagen sind abgesagt. Die Bundesregierung rechnet nicht mit einem schnellen Ende des Kampfs gegen das Coronavirus.

Bekannte Infektionen gibt es nun in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Im Saarland und in den neuen Bundesländern wurden bis Sonntagnachmittag keine Coronavirus-Infektionen nachgewiesen. Allein in Nordrhein-Westfalen sind es nach der aktuellen RKI-Liste mittlerweile 66 Fälle, in Bayern 19 und in Baden-Württemberg 15. Die tatsächliche Zahl der Fälle dürfte etwas darüber liegen, weil neue Nachweise hinzukommen.

Im besonders betroffenen NRW-Kreis Heinsberg endete für mehrere hundert Bewohner die häusliche Quarantäne. Rund 300 Karnevalisten, die eine Sitzung am 15. Februar in Gangelt besucht hatten, und ihre Familien waren zu der vorsorglichen Maßnahme aufgerufen worden. Von insgesamt 1000 Menschen in häuslicher Isolierung müsse sich rund ein Drittel noch bis Ende der Woche gedulden. Am Samstag waren einzelne Infektionen auch aus Köln, Bonn, Duisburg, Mönchengladbach, aus dem Raum Aachen und dem sauerländischen Lüdenscheid gemeldet worden.

Mit bestätigten Infektionen bei drei Männern erreichte das Coronavirus nun auch Frankfurt am Main. Bei zwei Männern stehen die Fälle im Zusammenhang mit einem Fall in Wetzlar, der dritte Fall mit einer Italienreise. Kontaktpersonen werden ermittelt. In häuslicher Quarantäne sind auch 18 Menschen aus dem Umfeld eines Patienten aus Kaiserslautern. Neue Verdachtsfälle gibt es nach der Bestätigung einer ersten Coronavirus-Infektion in Niedersachsen – in 15 Fällen wurde häusliche Quarantäne angeordnet. Ein 68-Jähriger war mit seiner Frau auf einer Busreise nach Südtirol gewesen.

In Baden-Württemberg sollen zum Ende der Faschingsferien nach Kindern, Lehrern und vielen Beamten auch Polizisten zunächst vorsorglich zu Hause bleiben, wenn sie in den vergangenen Tagen aus einem Risikogebiet für das neuartige Coronavirus zurückgekehrt sind. Dies gelte unabhängig von Krankheitssymptomen, wie aus einem internen Schreiben des Innenministeriums hervorgeht, das der dpa vorliegt. Als Risikogebiete nennt das Ministerium die norditalienische Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua (Region Venetien) sowie Teile Chinas, des Irans und Südkoreas.

In einigen deutschen Supermärkten kam es zu Hamsterkäufen – auch in Ländern, in denen noch keine Infektion bestätigt wurde. Kunden griffen vermehrt zu langlebigen Lebensmitteln und Getränken. Auch Regale mit Reinigungstüchern oder Desinfektionsmitteln waren leer. Nach Einschätzung des Handels drohen aber keine Engpässe.

In Österreich wurden zwei deutsche Touristen positiv auf das neue Coronavirus Sars-CoV-2 getestet. Das Paar war zuvor auf einer Karnevalsveranstaltung in Deutschland. Sie sind abgeschottet in einem Hotel, die Infektion verläuft den Angaben zufolge mild.

Mehrere Veranstaltungen sind abgesagt oder werden verschoben. Nach Absage der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin war unklar, ob Aussteller entschädigt werden. Der Restaurantführer Guide Michelin sagte die für Dienstag geplante Sterneverleihung in Hamburg ab. Wegen des Coronavirus wird zudem die Düsseldorfer Fachmesse «Pro Wein» verschoben. Das Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg sagte einen geplanten öffentlichen Vortrag vorsorglich ab.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte erneut, dass nach derzeitiger Erkenntnis vier von fünf Coronavirus-Infektionen milde oder sogar symptomfrei verliefen. Mit der Zahl der Ansteckungen steige aber auch die Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe oder Todesfälle, sagte Spahn der «Welt am Sonntag». Ärzte können Tests auf das Virus leichter als bisher abrechnen, so Spahn auf Twitter.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) sagte der «Bild am Sonntag»: «Ich

rechne damit, dass wir zum Jahreswechsel einen entsprechenden Impfstoff zur Verfügung haben.» Bis dahin müsse man das Virus mit den

Mitteln des Seuchenschutzes bekämpfen. «Wir müssen die Infektionsketten konsequent unterbrechen.» Auch die Absperrung von Regionen oder Städten schloss Seehofer nicht völlig aus – als letztes Mittel.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sieht ausreichend Mittel vorhanden, um negativen Folgen der Ausbreitung des Virus für die Wirtschaft entgegen zu steuern. «Wenn die Lage es erforderte, dass ein solcher Impuls nötig wird, haben wir auch die Mittel, ein Konjunkturprogramm aufzulegen», sagte Scholz der «Welt am Sonntag».

In den NRW-Gesundheitsämtern fehlen Ärzte

In den Gesundheitsämtern der Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen fehlen Ärzte – nicht erst seit sich der neuartige Coronavirus ausbreitet. «Der Personalmangel in den Gesundheitsämtern ist ein bundesweites Problem», sagte am Montag die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert.

Wie viele Stellen für Ärzte in den NRW-Gesundheitsämtern unbesetzt sind, ist unklar. Dazu würden keine Daten erhoben, sagte Teichert. Nach einer Umfrage des WDR-Magazins Westpol fehlen in zwei Drittel der NRW-Gesundheitsämter Ärzte. Beispielsweise in Wuppertal: Dort gibt es derzeit 12,5 Ärztestelle, wie ein Sprecher der Stadt berichtete. Zweieinhalb weitere Stellen seien ausgeschrieben. Es sei aber bisher niemand dafür gefunden worden.

Auch der NRW-Landkreistag berichtet über Personalmangel in den Gesundheitsämtern. Es gebe «in der Tat unbesetzte Stellen in den Kreisgesundheitsämtern», bestätigte eine Sprecherin. «Der generel le Fachkräftemangel betrifft auch den öffentlichen Gesundheitsdienst.» Die Gesundheitsämter sind Aufsichtsbehörden und können unter anderem Quarantänemaßnahmen anordnen.

«Für Ärzte ist die Arbeit in einem Gesundheitsamt wenig attraktiv»,

nannte die Verbandsvorsitzende Teichert den aus ihrer Sicht entscheidenden Grund für den Ärztemangel im öffentlichen Gesundheitsdienst. Dort verdiene ein Mediziner «bis zu

1500 Euro im Monat weniger als ein Arzt im Krankenhaus». Auch deshalb habe sich dort der Ärztemangel verschärft. Der Verband schätzt, dass

in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern um ein Drittel zurückgegangen ist.

Quellen: dpa

Wichtig: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von medizin-heute.net können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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