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„Lächelnde Depression“: Man kann durchaus depressiv sein, während man eigentlich glücklich wirkt

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„Lächelnde Depression“: Man kann durchaus depressiv sein, während man eigentlich glücklich wirkt

Der Begriff „Lächelnde Depression“ – bei innerlich depressiven Symptomen anderen gegenüber äußerlich glücklich zu erscheinen – wird zunehmend populärer. Artikel zu diesem Thema haben sind mehr und mehr in die Fachliteratur zu finden, und auch die Zahl der Google-Suchen nach der Problematik ist in den vergangenen Monaten dramatisch gestiegen. Einige werfen indes die Frage auf, ob es sich dabei tatsächlich um einen pathologischen Zustand handelt.

Während Lächelnde Depression kein technischer Begriff ist, den Psychologen verwenden, ist es wohl durchaus möglich, depressiv zu sein und die Symptome nach außen hin erfolgreich zu kaschieren. Der nächstliegende Fachausdruck für diesen Zustand lautet „Atypische Depression“. In der Tat gelingt es einem erheblichen Teil der Menschen, die eine schlechte Stimmung und einen Verlust an Aktivität verspüren, ihren Zustand auf diese Weise zu verbergen. Und diese Leute könnten besonders anfällig für Selbstmord sein.

Es ist nicht einfach, Menschen zu erkennen, die an einer Lächelnden Depression leiden. Es scheint, als hätten sie eigentlich gar keinen Grund, traurig zu sein – sie haben in ihrem Leben einen Job, eine Wohnung und vielleicht sogar Kinder oder einen Partner. Sie lächeln, wenn Sie sie begrüßen und können eine angenehme Unterhaltung mit Ihnen führen. Kurz gesagt, sie tragen nach außen hin eine Maske und führen ein scheinbar normales und aktives Leben.

In Ihrem Inneren fühlen sie sich jedoch hoffnungslos und niedergeschlagen, manchmal haben sie sogar Gedanken daran, alles zu beenden. Die Kraft, die sie im täglichen Leben haben müssen, kann sie besonders anfällig für Suizidgedanken machen. Dies steht im Gegensatz zu anderen Formen der Depression, bei denen die Menschen möglicherweise Selbstmordgedanken hegen, indes nicht genug Energie haben, um auf ihre Absichten zu reagieren.

Menschen mit Lächelnder Depression, die der Außenwelt ein „glückliches Gesicht“ zeigen, können aufgrund positiver Ereignisse in ihrem Leben einen echten Stimmungsaufschwung erleben. Wenn Sie beispielsweise eine Textnachricht von jemandem erhalten, von dem sie so gerne hören wollten, oder wenn sie auf der Arbeit gelobt werden, können sie sich für eine Weile besser fühlen, bevor die Stimmung des Niedergeschlagenseins in sie zurückkehrt.

Der Hollywood Schauspieler Robin Williams ist das beste Beispiel für eine „lächelnde Depression“. Jahrelang kämpfte der sehr beliebte und sehr erfolgreiche Schauspieler mit Depressionen. Er war nach außen hin immer gut drauf und machte auf Menschen immer einen fröhlichen Eindruck. 2014 begang er Selbstmord.

Andere Symptome dieses Zustands sind übermäßiges Essen, das Gefühl von Schwere in Armen und Beinen und die leichte Verletzbarkeit durch Kritik oder Ablehnung. Menschen mit einer Lächelnden Depression fühlen sich zudem abends eher depressiv und haben das Bedürfnis, länger als gewöhnlich zu schlafen. Bei anderen Formen der Depression kann es jedoch sein, dass die Stimmung der Person eher am Morgen schlechter ist und sie möglicherweise weniger Schlaf benötigt, als sie es normalerweise gewohnt ist.

Lächelnde Depressione scheint bei Menschen mit bestimmten Temperamenten häufiger zu sein. Vor allem hängt es damit zusammen, dass man anfälliger für Misserfolge ist, Schwierigkeiten hat, peinliche oder erniedrigende Situationen zu überwinden und dazu neigt, über erlebte negative Situationen nachzudenken oder gar übermäßig darüber zu grübeln.

Belastung und Behandlung

Es ist schwierig, genau zu bestimmen, was zu einer Lächelnden Depression führt, aber schlechte Laune kann eine Reihe von Ursachen haben, beispielsweise Arbeitsprobleme, Zusammenbruch der Beziehung und das Gefühl, dass das persönliche Leben keinen Sinn und Zweck hat.

Die Erkrankung tritt sehr häufig auf. Etwa einer von zehn Menschen ist depressiv, und zwischen 15% und 40% dieser Menschen leiden an der Atypischen Form, die einer Lächelnden Depression ähnelt. Eine solche Depression beginnt oft recht früh im Leben und kann lange andauern.

Wenn Sie selbst etwa an einer Lächelnden Depression leiden sollten, ist es besonders wichtig, versierte Hilfe zu bekommen. Unglücklicherweise leiden Menschen mit dieser Erkrankung normalerweise nicht, weil sie vielleicht nicht denken, dass sie überhaupt ein Problem haben. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sie ihre Aufgaben und Tagesabläufe wie zuvor fortsetzen. Mitunter fühlen sie sich auch schuldig und sagen zu sich selbst, dass es gar keinen Grund für Traurigkeit gibt. Also erzählen sie niemandem von ihren Problemen und schämen sich schließlich für ihre Gefühle.

Wie kann man diesen Zyklus durchbrechen? Ein Ausgangspunkt ist das Wissen, dass dieser Zustand tatsächlich existiert und dass man ihn ernst nehmen sollte. Nur wenn wir damit aufhören, unsere Probleme zu ignorieren, weil wir denken, dass sie nicht ernst genug sind, können wir anfangen, tatsächlich etwas zu ändern. Für einige mag diese Einsicht ausreichen, um die Dinge umzukehren, denn sie bringt sie auf einen Weg, um Hilfe zu suchen und sich von den Fesseln der Depression zu befreien, die sie bislang festgehalten haben.

Übung und Meditation können helfen. Yuganov Konstantin / Shutterstock

Es hat sich auch erwiesen, dass Meditation und körperliche Aktivität enorme Vorteile für die psychische Gesundheit haben. Tatsächlich zeigte eine Studie der Rutgers Universität in den USA, dass Personen, die zweimal wöchentlich Meditation und körperliche Aktivität ausgeführt hatten, innerhalb von nur acht Wochen in der Studie einen Rückgang der Depressionsraten um fast 40% verzeichneten. Die sogenannte Kognitive Verhaltenstherapie, bei der es darum geht, das Lernen, Ihre Denkmuster und Ihr Verhalten zu ändern, ist eine weitere Option für diejenigen, die von dieser Krankheit betroffen sind.

Und im Leben einen Sinn zu finden, ist von größter Bedeutung. Der österreichische Neurologe Viktor Frankl schrieb, dass der Grundstein für eine gute psychische Gesundheit ist, einen Sinn im Leben zu haben. Er sagte, wir sollten nicht darauf abzielen, in einem „spannungslosen Zustand“, frei von Verantwortung und Herausforderungen zu sein, sondern vielmehr etwas im Leben anstreben. Wir können einen Sinn finden, indem wir die Aufmerksamkeit von uns selbst nehmen und auf etwas anderes legen. Also sollten Sie nach einem lohnenden Ziel für sich suchen und sich bemühen, regelmäßig Fortschritte zu machen, auch wenn es jeden Tag nur ein wenig weitergehen sollte, denn das kann wirklich einen positiven Effekt haben.

Wir können auch einen Sinn finden, indem wir uns um jemanden kümmern. Wenn wir das Rampenlicht von uns selbst wegblenden und anfangen, über die Bedürfnisse und Wünsche eines anderen nachzudenken, beginnen wir zu fühlen, dass unser Leben wichtig ist. Dies kann durch freiwilliges Engagement oder die Betreuung eines Familienmitglieds oder sogar eines Tieres erreicht werden.

Das Gefühl, dass unser Leben wichtig ist, gibt uns letztlich einen Sinn und Zweck – und dies kann einen wesentlichen Unterschied für unsere psychische Gesundheit und unser Wohlbefinden bewirken.

Verweise:

 

Wichtig: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von medizin-heute.net können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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