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Macht Zucker wirklich so süchtig wie Kokain?

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Macht Zucker wirklich so süchtig wie Kokain?

Ein Artikel in einer medizinischen Fachzeitschrift, demzufolge Zucker als Suchtmittel angesehen werden sollte und sogar mit Suchtmitteln wie Kokain gleichzusetzen sein könnte, ist in einer hitzigen Debatte von Experten zurückgewiesen worden, welche die Behauptungen als „absurd“ zurückweisen.

In einem im Britischen Journal für Sportmedizin veröffentlichten Bericht schreiben die Autoren, dass Zucker ein „Tor zu Alkohol und anderen Suchtmitteln“ sein könnte, und fügte hinzu, dass Zucker, ebenso wie Kokain und Opium, aus Pflanzen gewonnen wird, um reine weiße Kristalle zu erhalten – ein Prozess, der „wesentlich zu seinen süchtig machenden Eigenschaften“ beitrage.

Der Artikel wurde gemeinsam von James J. DiNicolantonio, einem Wissenschaftler für Herz-Kreislauf-Forschung, und dem Kardiologen James H. O’Keefe, beide vom Saint Luke Mid America Heart Institute in Kansas, in Zusammenarbeot mit William Wilson, einem Arzt der gemeinnützigen US-amerikanischen Gruppe Lahey Health, verfasst.

Gehirnscan von einer „zuckersüchtigen“ Person (li.) und eines Kokainsüchtigen (re.) bei der Einnahme des jeweiligen Stoffes.

„Der Konsum von Zucker hat ähnliche Wirkungen wie Kokain und verändert die Stimmung, möglicherweise durch die Fähigkeit, Belohnung und Vergnügen zu induzieren, was dazu führt, dass ein Verlangen nach Zucker entsteht“, schreiben sie unter Berufung auf Nagetierstudien, die belegten, dass Süße sogar gegenüber Kokain bevorzugt werde, und dass Mäuse Zuckerentziehungserscheinungen erfahren könnten.

In einem Gespräch mit dem Guardian sagte DiNicolantonio, das Ausmaß des Zuckerkonsums sei Gegenstand ernster Beorgnis. „Bei Tieren macht er tatsächlich süchtiger als Kokain, und daher ist Zucker wahrscheinlich die am meistkonsumierte Suchtstoffsubstanz auf der ganzen Welt und verursacht Chaos in unserer Gesundheit.“

Die drei Wissenschaftler sind nicht die ersten, die untersuchen, ob man Zucker als Suchtmittel betrachten sollte, aber der Artikel ist von einigen in der Praxis in Frage gestellt worden, die sagen, dass der Zuckerkonsum zwar zu problematischen Gesundheitsproblemen führen könne, dass er aber nicht süchtig mache oder etwa  eine Missbrauchsdroge sei.

Hisham Ziauddeen, Psychiater an der Universität von Cambridge, sagte, die Ergenissse der Nagetierstudien seien von den Autoren missinterpretiert worden, und fügte hinzu, dass eine Überprüfung der Angelegenheit, die er im vergangenen Jahr mit verfasst hatte, die Vorstellung nicht unterstütze, dass Zucker den Menschen süchtig mache.

„Die Nagetierstudien zeigen, dass man nur dann suchtähnliches Verhalten bekommt, wenn man die Tiere darauf beschränkt, täglich zwei Stunden lang Zucker zu haben. Wenn man den Tieren erlaubt, Zucker zu sich zu nehmen, wann immer sie es wollen – so wie wir Menschen ihn tatsächlich konsumieren – zeigen sie diese suchtähnlichen Verhaltensweisen nicht “, sagte er.

„Das bedeutet, dass es die Kombination aus dieser besonderen Art von begrenztem zeitweiligem Zugriff und Zucker ist, die diese Verhaltensweisen hervorbringt. Außerdem erzielen Sie dieselbe Wirkung, wenn Sie Saccharin verwenden. Es geht also eher um den süßen Geschmack als um Zucker.“

Ziauddeen fügte hinzu, dass es nicht verwunderlich sei, dass selbst kokainabhängige Ratten unter Umständen Zucker bevorzugen, da viele Tiere natürlich nach Süßigkeiten suchten, nicht nach Kokain.

Das Suchterzeugungspotential von Zucker soll laut einigen Wissenschaftlern genauso hoch sein wie bei Kokain.

Maggie Westwater, Mitautorin der Studie mit Ziauddeen, sagte, dass das ängstliche Verhalten, das Nagetiere manchmal zeigten, nachdem sie Zucker gegessen hatten, kein klares Anzeichen für eine Sucht sei. „Da ein solcher „Entzug“ oft im Rahmen eines ausgedehnten Fastens stattfindet, können wir nicht sagen, ob das Verhalten durch früheren Zuckerkonsum oder durch Hunger ausgelöst wurde“, sagte sie und fügte hinzu, dass Nagetiere im Gegensatz zu Kokain keinen Zucker suchen würden, wenn er für sie mit einem unangenehmen Ereignis, wie beispielsweise einem Stromschlag, verbunden wäre.

Die Autoren der neuesten Studie weisen unterdessen auch auf Parallelen zwischen der Wirkung von Kokain und Zucker im Gehirn hin und betonen, dass beide mit demselben Belohnungssystem interagieren.

Ziauddeen meint jedoch, das sei nicht überraschend. „Die Realität ist, dass das Belohnungssystem des Gehirns und die Schaltkreise, die das Essverhalten steuern, die gleichen sind, die auch auf Missbrauchsdrogen reagieren“, sagte er. „Im Gegensatz zu Zucker“, so fügte er hinzu, „scheinen Missbrauchsdrogen diese Systeme zu übernehmen und ihre normalen Kontrollmechanismen auszuschalten.“

 

Tom Sanders, emeritierter Professor für Ernährung und Diätetik am King’s College in London, sagte, es sei „absurd zu sagen, dass Zucker süchtig mache, wie harte Drogen.“

„Es ist zwar richtig, dass eine Vorliebe für süße Dinge eine Gewohnheit bilden kann, aber Zucker macht nicht süchtig wie Opiate oder Kokain“, sagte Sanders.

Wer kann dem Anblick von gezuckerten Lebensmitteln, und vor allem Süßigkeiten schon widerstehen?

 

„Individuen bekommen keine Entzugserscheinungen, wenn sie den Zuckerkonsum reduzieren.“

DiNicolantonio sagte jedoch, dass, während der Zuckerkonsum beim Menschen nicht zu körperlichen Entzugserscheinungen führte, es biochemische Anzeichen für einen Rückzug im Gehirn gab – ein Punkt, den Ziauddeen bestreitet. Allerdings waren nicht alle mit den Autoren der gleichen Ansicht.

Robert Lustig, Professor für Pädiatrie an der Universität von Kalifornien in San Francisco, erklärte, er teile die Bedenken von DiNicolantonio und seinen Kollegen. „Ich glaube, dass Zucker aufgrund seiner stoffwechselbedingten Eigenschaften süchtig macht“, sagte er. Lustig hat bereits zuvor argumentiert, dass Zucker quasi so etwas wie der „Alkohol für das Kind“ sei. Während er jedoch glaubt, dass Zucker eine Missbrauchsdroge ist, hält er ihn für eine schwache, etwa dem Nikotin gleichgestellte Substanz, und nicht mit der Abhängigkeitswirkung von Drogen wie etwa Heroin vergleichbar.

Laut Ziauddeen ist Zucker an sich jedoch nicht gefährlich. „Vom Ernährungs-, Stoffwechsel- und Fettleibigkeitsstandpunkt aus gesehen, ist Zucker aufgrund seiner angeborenen Eigenschaften nicht allein dieser schreckliche Dämon als der er so vielfach beschrieben wird“, sagte er. „Das eigentliche Problem liegt darin, dass große Mengen an Zucker verschiedenen Lebensmitteln zugesetzt werden und so den Kaloriengehalt dieser Lebensmittel erheblich steigern.“

Sanders stimmte zu und stellte fest, dass unser Geschmack für Zucker ein Merkmal ist, mit dem Menschen geboren werden, und dass Süße uns hilft, Lebensmittel zu erkennen, die reich an Vitamin C sind.“Die größte Gesundheitsgefährdung durch Zucker ist die Zahnfäule – er  trägt nur durch Überkonsum von zuckergesüßten Getränken direkt zu Fettleibigkeit bei“, sagte er.

 

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